Im Gespräch mit Dr. Jürgen Kutscheidt
Überall stehen die Bäume in vollem Laub. Die Temperaturen sind angenehm und die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite. Streusalz ist vermutlich das Letzte, woran man in dieser Zeit denkt. Und doch kann Streusalz gerade jetzt erheblichen Stress für Bäume verursachen. Das Salz, das im Winter auf Straßen und Wege ausgebracht wird, bleibt im Boden zurück und wirkt noch monatelang nach. Die Folgen sind oft erst im Sommer sichtbar. Bäume haben Schwierigkeiten, Wasser aufzunehmen. Dadurch bleiben die Blätter kleiner, entwickeln braune Ränder, verfärben sich und trocknen schließlich aus. Viele Bäume wirken geschwächt und ihr Wachstum ist eingeschränkt.
Stärkung von Bäumen unter schwierigen Standortbedingungen
Dr. Jürgen Kutscheidt ist ein deutscher Forscher und Berater im Bereich Mykorrhiza und Bodenverbesserung. Seit den 1980er‑Jahren beschäftigt er sich mit der Erforschung und Anwendung von Mykorrhiza‑Pilzen, unter anderem zur Stärkung von Bäumen an problematischen Standorten. Im Rahmen seiner Arbeit in der Baumpflege konzentriert er sich darauf, die Vitalität von Bäumen zu erhalten und zu verbessern – wobei Mykorrhiza eine zentrale Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund haben wir ihm einige Fragen dazu gestellt, wie Mykorrhiza bei Bäumen helfen kann, die unter Salzstress durch Streusalz leiden.
Mykorrhiza für ein stärkeres Wurzelsystem
Mykorrhiza sind nützliche Bodenpilze, die in Symbiose mit den Baumwurzeln leben. Sie vergrößern den Wirkungsbereich der Wurzeln, wodurch der Baum Wasser und Nährstoffe effizienter aufnehmen kann. Gerade bei Salzstress ist dies von großer Bedeutung. Der Baum erhält besser Zugang zu den benötigten Ressourcen und kann sich leichter von belastenden Standortbedingungen erholen. Dr. Kutscheidt erklärt dazu: „Grundsätzlich führt eine Belastung durch Streusalz zur Verdrängung von Nährstoffen wie Kalium, Calcium und Magnesium. Diese werden ausgewaschen, sodass ein Nährstoffmangel entstehen kann. Gleichzeitig erhöht sich das osmotische Potenzial der Bodenlösung, wodurch die Wasseraufnahme der Wurzeln erschwert wird. Der Baum gerät in Trockenstress und leidet zusätzlich unter Nährstoffmangel. Hier setzt die Mykorrhiza an, indem sie zusätzliche Nährstoffe und Wasser bereitstellt. Aktuell verwenden wir häufig Mykorrhiza‑Inokulate, die für hohe pH‑Werte geeignet sind, da Salzbelastung den pH‑Wert erhöhen kann. Teilweise kombinieren wir diese mit spezifischen Mykorrhiza‑Arten, die besser zur jeweiligen Baumart passen, beispielsweise bei Eichen.“
Sehr gute Ergebnisse in Düsseldorf
An stark salzbelasteten Standorten konnte Dr. Kutscheidt beobachten, dass sich Bäume innerhalb relativ kurzer Zeit sichtbar erholen. Die typischen braunen Blattränder – sogenannte Blattrandnekrosen – gingen deutlich zurück oder verschwanden vollständig. „Seit einiger Zeit selektieren wir gezielt Pilzstämme aus salzbelasteten Standorten. Bei hoher Salzbelastung kombinieren wir Humusstoffe mit einer Kaliumdüngung und einer auf die Baumart abgestimmten Mykorrhiza. Gleichzeitig ist eine ausreichende Bewässerung während der Vegetationsperiode entscheidend“, erläutert Dr. Kutscheidt. „Mit dieser Methode konnten wir in Düsseldorf sehr gute Ergebnisse erzielen. An der Königsallee sanken die Natrium- und Chloridwerte in den Blättern innerhalb eines Jahres so stark, dass keine Blattrandnekrosen mehr auftraten. Auch an anderen Standorten mit noch höheren Belastungen stellten wir deutliche Verbesserungen fest. In der Praxis erzielen wir mit diesem Ansatz nahezu immer sehr gute Ergebnisse.“
Empfehlungen von Dr. Kutscheidt für Baumpfleger
Bei GreenMax sehen wir täglich, wie wichtig eine durchdachte Bodenbehandlung und Nachsorge sind – insbesondere an Standorten mit Stressfaktoren wie Streusalz. Obwohl ein geeigneter Wurzelraum die Grundlage für die Gesundheit des Baumes oberirdisch bildet, endet die Pflege nicht mit der Pflanzung. Dr. Kutscheidt empfiehlt: „Derzeit würde ich Baumpflegern raten, Mykorrhiza in Kombination mit Humusstoffen einzusetzen. Diese beiden Bodenverbesserer ergänzen sich hervorragend und unterstützen sich gegenseitig. Eine Bodenanalyse ist sinnvoll, jedoch liefert eine Blattanalyse ein genaueres Bild der tatsächlichen Belastung durch Natrium und Chlorid. Blattproben sollten aus dem äußeren Bereich der Baumkrone entnommen werden – und dies nur bis Mitte Juli. Wenn möglich, arbeiten wir Perlhumus in die obere Bodenschicht ein oder bringen fein gemahlenen Perlhumus mit einer Lanze in den Boden ein. Zusätzlich wird mit Powhumus gegossen. Solange noch keine getesteten Mykorrhiza‑Inokulate für ‚Salzstandorte‘ verfügbar sind, empfehle ich die Verwendung von Inokulaten für hohe pH‑Werte.“
Ganzheitlicher Ansatz für den Wurzelraum
Salzstress bleibt eine große Herausforderung für Stadtbäume. Mit einem gezielten Vorgehen lassen sich jedoch deutliche Verbesserungen erzielen. Mykorrhiza spielt dabei eine Schlüsselrolle – insbesondere in Kombination mit Bodenverbesserung und konsequenter Pflege. Bei GreenMax arbeiten wir an innovativen Lösungen für Baumstandorte – vom Boden bis in die Krone. Dabei greifen wir auf langjährige Erfahrung und internationale Praxisbeispiele zurück. Gemeinsam mit Baumpflegern und Kommunen entwickeln wir praxisnahe Lösungen, die Bäume nachhaltig stärken. Vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch. Wir helfen Ihnen gerne weiter!
Beratungsgespräch anfordernZusammenfassung
Mykorrhiza bietet eine effektive Lösung, um Bäume bei Salzstress durch Streusalz zu unterstützen. Streusalz reichert sich über Monate im Boden an und beeinträchtigt die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. Laut dem Experten Dr. Jürgen Kutscheidt stärken Mykorrhiza‑Pilze das Wurzelsystem, wodurch Bäume Wasser und essenzielle Nährstoffe wie Kalium, Calcium und Magnesium besser aufnehmen können. In Kombination mit Humusstoffen und gezielter Düngung kann dies zu einer sichtbaren Erholung führen, beispielsweise zu weniger Blattrandnekrosen und einer verbesserten Vitalität. Praxisbeispiele aus Düsseldorf zeigen, dass dieser Ansatz die negativen Auswirkungen von Natrium und Chlorid deutlich reduziert. Für Baumpfleger ist ein integrierter Bodenansatz entscheidend – einschließlich Mykorrhiza‑Inokulaten für hohe pH‑Werte, Blattanalyse und ausreichender Bewässerung – um Bäume nachhaltig vor Salzschäden zu schützen.
Zuletzt aktualisiert am: 29. Juni 2026
- Artikel um aktuelle Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Salzstress auf Bäume ergänzt.
- Erläuterungen mit Praxiserfahrungen des Forschers Dr. Jürgen Kutscheidt erweitert.
- Verdeutlichung hinzugefügt, wie Streusalz die Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinflusst.
- Praktische Empfehlungen zur Bodenverbesserung mit Mykorrhiza und Humusstoffen aufgenommen.
- Hinweise zur Anwendung bei erhöhten pH‑Werten infolge von Salzbelastung ergänzt.
Veröffentlicht am: 29. Juni 2026


